
CulTour Club meets OPEN MOUTH
Was entsteht, wenn Kultur und Kulinarik nicht länger als zwei getrennte Welten betrachtet werden? Beim CulTour Club meets OPEN MOUTH am 6. Oktober 2026 kamen Akteur:innen aus Kultur, Tourismus und Kulinarik in der Mensa der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) zusammen, um genau darüber zu sprechen. Im Mittelpunkt standen dabei keine fertigen Projektpräsentationen. Vielmehr ging es darum, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und gemeinsam zu überlegen, welche neuen Verbindungen daraus entstehen könnten.
Kopf, Herz und Bauch in der HFBK
Treffpunkt war die Mensa der Hochschule für Bildende Künste (HFBK). Bevor dort gemeinsam diskutiert wurde, führte der erste Weg jedoch durch das Haus: vom Foyer mit seinem imposanten Fenster bis in die Aula. Dort begrüßten Frederik Pavlik von Booze & Essig stellvertretend für die Mensa sowie Bärbel Hartje von der HFBK die Gäste und gaben Einblicke in den Ort, der an diesem Nachmittag weit mehr als nur Kulisse war. Für die verschiedenen Ebenen des Hauses gibt es ein schönes Bild: Unter dem Dach wird gedacht, in der Aula in der Mitte des Hauses wird gefühlt und unten in der Mensa wird genossen.
Kopf, Herz und Bauch also.
Damit war eigentlich schon ziemlich gut beschrieben, worum es an diesem Nachmittag gehen sollte: Kultur und Kulinarik nicht nur räumlich unter einem Dach zusammenzubringen, sondern auch inhaltlich.
Fünf Tische, fünf Blickwinkel
Zurück in der Mensa startete das bereits beim CulTour Club erprobte und beliebte Format “Meet & Match”. An fünf Tischen warteten unterschiedliche Fragestellungen rund um die Verbindung von Kultur und Kulinarik. Statt langer Präsentationen brachten die Gastgeber:innen jeweils einen Gedanken, ein Beispiel oder eine konkrete Frage mit. Von dort aus wurde gemeinsam weiterdiskutiert. So trafen Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Blickwinkeln aufeinander und konnten Ideen entwickeln, die im eigenen Arbeitsalltag vielleicht gar nicht entstanden wären.
MATCH ME HAMBURG: Was passt eigentlich wirklich zu einem Menschen?
Daniela Schubert von Hamburg Tourismus und Boris Rogosch von Oma Liebe nahmen an ihrem Tisch den einzelnen Gast als Ausgangspunkt.
Hamburg hat eine enorme kulturelle und kulinarische Vielfalt. In der Kommunikation werden die verschiedenen Erlebnisse allerdings häufig noch in klassischen Kategorien betrachtet: Museum hier, Restaurant dort, Konzert an anderer Stelle.
Nur suchen Gäste tatsächlich auf diese Weise?
Der Gedanke hinter MATCH ME HAMBURG dreht diese Perspektive um. Nicht das einzelne Angebot steht am Anfang, sondern der Mensch mit seinen Interessen. Wer sich beispielsweise für zeitgenössische Kunst interessiert, könnte vielleicht genauso neugierig auf Naturwein und besondere Architektur sein. Wer Live-Musik liebt, lässt sich womöglich auch für Fischküche und maritime Geschichte begeistern. Damit rückte schnell eine weitere Frage in den Mittelpunkt: Wie erfahren Kultur- und Kulinarikpartner:innen voneinander und wie können sie sich gegenseitig empfehlen?
Denn ein persönliches Hamburg-Erlebnis entsteht nicht allein durch viele gute Angebote. Es entsteht vor allem dann, wenn diese Angebote sinnvoll miteinander verbunden werden.
GUT.MOOD: Wenn aus Zusammenarbeit Co-Creation wird
Wie so eine Verbindung bereits ganz konkret aussehen kann, zeigte Matthias Gfrörer von der Gutsküche Wulksfelde.
Gemeinsam mit RockCity Hamburg entwickelte die Gutsküche 2026 das Festivalformat GUT.MOOD. Auf der Streuobstwiese der Gutsküche trafen Musik, regionale Farm-to-Table-Küche und Nachhaltigkeit aufeinander. Für die Diskussion war dabei vor allem die Mechanik hinter dem Format interessant. Zwei Partner aus unterschiedlichen Bereichen bringen ihre jeweiligen Stärken, Netzwerke und Erfahrungen ein und schaffen daraus gemeinsam etwas, das keiner von beiden allein genauso entwickelt hätte. Daraus ergab sich fast automatisch die nächste Frage: Welche Kultur- und Kulinarikakteur:innen in Hamburg könnten ebenfalls überraschend gut zusammenpassen?
Solche Überlegungen zeigen auch, wie wichtig es ist, überhaupt voneinander zu wissen. Erst aus diesem Wissen kann später eine Kooperation entstehen.
TASTE THE CITY: Welche Geschichte erzählen wir über Hamburg?
Am Tisch von Julia Bankus von Hamburg Tourismus ging der Blick über einzelne Kooperationen hinaus.
Hier stand die Frage im Mittelpunkt, wie Kultur und Kulinarik gemeinsam eine Geschichte über Hamburg erzählen können. Ein Beispiel war die “Elbphoria meets Culinary”-Pressereise. Internationale Gäste erlebten Hamburg dabei nicht entlang einzelner touristischer Kategorien, sondern als Zusammenspiel verschiedener Facetten der Stadt: Hotellerie, Elbphilharmonie, Elbmeile, Gastronomie und schließlich acht Sterneköche bei “Hamburgs Sterne by OPEN MOUTH”. Auch der GNTB Travel Creator Summit x Traverse 26 vom 13. bis 18. Oktober 2026 greift diese Verbindung auf. Rund 150 internationale Travel Creator:innen, Influencer:innen und Content Professionals treffen dabei unter anderem auf Kunstmeile, Elbphilharmonie, Port des Lumières, Miniatur Wunderland und Indra Musikclub sowie auf kulinarische Workshops zu Kaffee, Tee, Gewürzen, Senf, Mozzarella und Ceviche.
Am Tisch wurde daraus eine vermeintlich einfache Frage: Wenn jemand nur 24 oder 48 Stunden in Hamburg verbringt, welche Kombination aus Kultur und Kulinarik erzählt dann die stärkste Geschichte über die Stadt?
Die Antworten fielen naturgemäß sehr unterschiedlich aus. Gerade darin liegt aber auch eine der großen Stärken Hamburgs.
THE MENÙ: Warum sollte die Empfehlung beim Restaurant enden?
Stevan Paul und Oliver Wagner von Kaiserhappen brachten mit THE MENÙ einen weiteren Ansatz mit.
Der journalistisch kuratierte Restaurant-Finder verzichtet auf klassische Rankings und Sterne als Ausgangspunkt. Stattdessen beantworten Nutzer:innen fünf Fragen, beispielsweise zu Anlass, Begleitung, Budget und Abenteuerlust. Daraus entstehen individuelle Restaurantempfehlungen aus einer redaktionell zusammengestellten Auswahl. Beim CulTour Club wurde dieser Gedanke direkt weitergeführt. Denn warum sollte eine Empfehlung beim Restaurant aufhören? Aus „Wo soll ich heute essen gehen?“ könnte genauso gut „Wie sieht mein perfekter Abend in Hamburg aus?“ werden. Welches Museum passt zu welchem Restaurant? Welche Ausstellung lässt sich mit einer Bar verbinden? Welcher Club ergänzt einen kulinarischen Abend? Oder welches Quartier bietet gleich mehrere Erlebnisse, die gemeinsam eine Geschichte erzählen?
So wurde aus einem Restaurant-Finder schnell die größere Frage, wie Kuration künftig unterschiedliche Hamburger Erlebniswelten stärker miteinander verbinden könnte.
KULTUR AUF DER SPEISEKARTE: Gastronomie als Bühne
Dass Gastronomie und Kultur bereits heute sehr selbstverständlich zusammenspielen können, zeigte Daniel Gluting von der Hobenköök.
Mit Musik & Stulle gibt es seit 2018 gemeinsam mit Bridge Gigs ein Format, bei dem Hamburger Musiker:innen eine Bühne im Oberhafen bekommen und Hobenköök den kulinarischen Rahmen gestaltet. Die Kulinarik steht dabei nicht einfach neben dem Kulturprogramm. Beides gehört zum gemeinsamen Erlebnis. Von diesem Beispiel aus öffnete sich die Diskussion schnell weiter. Restaurants, Bars und andere gastronomische Orte verfügen über Räume, Gastgeber, Communities und regelmäßige Besucher. Gleichzeitig sucht die lokale Kulturszene immer wieder nach Bühnen, neuen Publika und niedrigschwelligen Begegnungsorten.
Die Frage lag also nahe, welche weiteren Verbindungen zwischen Hamburger Gastronomie und Kulturszene entstehen könnten.
Weiterreden ausdrücklich erwünscht
Nach den “Meet & Match”-Runden blieb die Mensa der zentrale Treffpunkt des Nachmittags. Bei den kulinarischen Genüssen von Frederik und seinem Team gingen die Gespräche aus den einzelnen Tischrunden fast nahtlos ins offene Netzwerken über. Ideen wurden weitergesponnen, Kontakte ausgetauscht und Diskussionen fortgesetzt.
Nicht jede Idee muss dabei sofort zu einem Projekt werden. Nicht jede Begegnung braucht direkt ein konkretes Ergebnis. Oft beginnt Zusammenarbeit viel früher: damit, voneinander zu wissen, die Perspektive eines anderen Bereichs kennenzulernen und einen Gedanken mitzunehmen. Belastbare Netzwerke entstehen schließlich nicht erst dann, wenn eine Kooperation unterschrieben wird. Sie wachsen durch Begegnung, Vertrauen und regelmäßigen Austausch.
Der CulTour Club meets OPEN MOUTH hat dafür erneut einen Raum geschaffen und Menschen aus Hamburgs Kultur-, Kulinarik- und Tourismuswelt miteinander ins Gespräch gebracht.
Ein großes Dankeschön geht an Frederik und das gesamte Team der Mensa sowie an die HFBK für die Gastfreundschaft und die Einblicke in das Haus. Ebenso danken wir allen Teilnehmer:innen, Gastgeber:innen der Tische und Ideengeber:innen, die ihre Perspektiven eingebracht haben.
Fragen, Gedanken oder eigene Ideen für kommende Formate nimmt das Team Kulturmarketing unter kultur@hamburg-tourismus.de gern entgegen.










