
Vom Zählen der Gäste zum Messen der Wirkung
Wie Reisen Erholung, Gesundheit und Wohlbefinden stärkt
Tourismus wird traditionell daran gemessen, wie viele Menschen reisen, wie lange sie bleiben und welche wirtschaftliche Wertschöpfung entsteht. Diese Kennzahlen bleiben wichtig. Sie erfassen jedoch nicht, was eine Reise bei den Menschen bewirkt.
Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Tourismusforschung an der Fachhochschule Westküste erweitert die Hamburg Tourismus GmbH deshalb die Perspektive: Wie beeinflussen Urlaubsreisen Erholung, Gesundheit und subjektives Wohlbefinden – und wie lässt sich dieses Wissen für die Tourismusbranche nutzen?
Nicht weniger zählen – sondern zusätzlich verstehen und messbar machen, was Reisen bewirkt.
Verstehen
Das DI Tourismusforschung schafft die wissenschaftliche Grundlage. Anhand von Literaturanalysen, repräsentativen Befragungen und der Auswertung von Langzeitdaten wird untersucht, welche persönlichen Effekte Urlaubsreisen haben und durch welche Bedingungen sie beeinflusst werden.
Übersetzen
Die Hamburg Tourismus GmbH bringt die Erkenntnisse in Branchen-, Strategie- und Politikdiskussionen ein. Ziel ist eine gemeinsame Sprache für den gesellschaftlichen Wert des Tourismus – über einzelne Reiseformen, Marktsegmente und Interessen hinaus. So entsteht ein neuer Orientierungsrahmen für die gesamte Branche.
Erste Erkenntnisse
Die zentrale Annahme des Projekts lautet: Reisen kann mehr leisten als Ortswechsel, Konsum oder wirtschaftliche Wertschöpfung. Urlaubsreisen können Erholung ermöglichen, Stress reduzieren, soziale Beziehungen stärken, neue Perspektiven eröffnen und zum subjektiven Wohlbefinden beitragen.
Um diese Annahme belastbar zu prüfen, forscht das DI Tourismusforschung seit 2024 im Forschungsschwerpunkt „Urlaubsreisen, Gesundheit und Glück“ zu den persönlichen Effekten von Urlaubsreisen. So wurden internationale Forschungsergebnisse zusammengetragen und darauf aufbauend mehrere empirische Untersuchungsschritte entwickelt.
Die Auswertungen zeigen unterschiedliche positive Wirkungen von Urlaubsreisen, darunter Stressreduktion, mentale Distanz zum Alltag, Wiederherstellung persönlicher Ressourcen, positive Emotionen, soziale Verbundenheit, Beiträge zur Lebenszufriedenheit sowie Effekte auf den wahrgenommenen Gesundheitszustand.
Die bisherigen Forschungsarbeiten stützen die Grundannahme des Projekts: Urlaubsreisen können Erholung und subjektives Wohlbefinden fördern, ihre Wirkung ist jedoch weder automatisch noch bei allen Menschen gleich. Im nächsten Schritt wird daher untersucht, welche Aspekte der Reisegestaltung und welche persönlichen Lebensumstände diese Wirkungen stärken oder abschwächen. Damit entsteht schrittweise eine belastbare Grundlage, um touristische Qualität künftig auch danach zu betrachten, was ein Aufenthalt bei Menschen bewirkt.
Eine neue Argumentationsbasis für die Branche
Die neue Wirkungsperspektive schafft zugleich eine zusätzliche Argumentationsbasis für die Tourismusbranche. Gegenüber Politik und Verwaltung lässt sich der Wert des Tourismus damit ergänzend zu wirtschaftlichen Kennzahlen auch über seinen möglichen Beitrag zu Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit und sozialer Verbundenheit beschreiben.
Für Medien eröffnet sie einen nachvollziehbaren Zugang zu der Frage, warum Reisen gesellschaftlich relevant ist – jenseits von Übernachtungsrekorden und Wachstumszahlen.
Auch für die Gewinnung und Bindung von Fachkräften ist dieser Blick wichtig: Er macht sichtbar, dass touristische Arbeit nicht nur Dienstleistungen organisiert, sondern Räume für Begegnung, Erholung und positive Erfahrungen schafft. So kann die Branche, über Marktsegmente und Einzelinteressen hinweg, ihr gemeinsames Selbstverständnis stärken und ihren gesellschaftlichen Beitrag glaubwürdiger vermitteln.
Forschung und Transfer gemeinsam weiterentwickeln
Forschung und Transfer werden parallel weitergeführt. Die HHT bringt die Erkenntnisse bereits in strategische Branchendiskussionen, politische Dialoge und europäische Netzwerke ein und macht sie für Destinationen, Verbände und weitere Partner nutzbar. In den nächsten Schritten sollen Messansätze weiterentwickelt, vergleichbare Daten aufgebaut und neue Partner gewonnen werden. Dazu gehören neben weiteren Forschungseinrichtungen auch Akteure aus Gesundheitswesen und Prävention, etwa Krankenkassen. Denkbar sind gemeinsame Befragungen, Modellprojekte und Pilotvorhaben.
Auch für Kommunen und Stadtentwicklung ergeben sich Anknüpfungspunkte. Mobilität, Orientierung, öffentliche Räume, Sicherheit sowie Kultur-, Natur- und Begegnungsangebote prägen sowohl die Aufenthaltsqualität der Gäste als auch die Lebensqualität der Bevölkerung. Die Wirkungsperspektive kann so dazu beitragen, Tourismus stärker mit integrierten Stadtentwicklungs- und Lebensqualitätsstrategien zu verbinden.
Mehr zur wissenschaftlichen Arbeit
Ausführliche Informationen zu den einzelnen Studien, Methoden, Ergebnissen und Publikationen sind auf der Projektseite des Deutschen Instituts für Tourismusforschung zu finden.
Hier geht es zum Forschungsprojekt des DI Tourismusforschung: https://www.di-tourismusforschung.de/projekte/urlaubsreisen-gesundheit-und-glueck/





